Nachdem ich mit meiner Gastfamilie am Samstagmorgen frühstückte, machte ich mich auf den Weg, Nach rund einer halben Stunde zu Fuss erreichte ich den Bahnhof von Hakata, genehmigte mir noch einen Kaffee und stieg in den Zug gen Süden. In einer Woche wird die komplette Strecke mit dem Shinkansen befahrbar sein, heute muss man noch mit einem normalen Zug vorlieb nehmen. Zumindest gilt das für die ersten 90 Minuten, dann kann man auf die bereits geöffnete Strecke umsteigen. Nach rund 30 Minuten hat man fast die selbe Strecke wie mit dem normalen Zug zurückgelegt und erreicht Kagoshima. Von der Gegend sieht man zu zwei Dritteln nichts, da sie durch bergige Landschaft und somit Milliarden von Tunnels führt.
Kagoshima ist ein beliebtes Ziel von Touris aus Taiwan, China und Korea. Am Informationsschalter wurde ich mit Karten und weiteren Prospekten eingedeckt. In einer Stunde würde eine Rundfahrt zum bekennten Vulkan Sakurajima starten. Das gab mit genug Zeit um im Bahnhof angrenzenden Einkaufszentrum was zu Futtern.
Zu Beginn der dreieinhalb Stunden dauernden Fahrt wurde mir erklärt, dass sie in Japanisch erfolgen würde. Da es keine englische oder Schweizerdeutsche Alternative gab, erklärte ich mich damit zufrieden. So fuhren wir zuerst direkt zum Hafen und dann mit dem Bus auf das Schiff. Die Überfahrt dauerte nur kann 15 Minuten und als wir an Land fuhren, hielt der Bus nochmals kurz an um eine weitere LOL zu den beiden anderen hinzusteigen zu lassen. Oben beim Aussichtspunkt und Schutzbunker konnten wir dann eine Eruption beobachten. Weitere sollten folgen. Auf der Fahrt um den Vulkan erhielten wir Infos über die Bäume, die verschiedenen Ausbrüche, die riesigen Radieschen (bis 20kg!) und die kleinsten Mandarinen. Letztere beiden konnten wir in einem kleinen Laden probieren, dazu gab es einen Honig und Mandarinenschnaps. Wir sahen einen drei Meter hohen Torbogen, der aufgrund der Asche inzwischen gerade mal noch einen halben Meter zum Boden herausragte sowie massive Schutzbunker für die Bevölkerung.
Beim Einbrechen der Nacht waren wir zurück und ich ging ins zwei Minuten vom Bahnhof entfernten Hotel, erhielt den Schlüssel und stellte beim Betreten des Zimmers dann fest, dass es entgegen der Reservierung ein Raucherzimmer war. Zum Glück wusste ich was Nichtraucher auf Japanisch heisst und erhielt dann das richtige Zimmer. Englisch wäre natürlich auch möglich gewesen...
Irgendwo im Ausgangsviertel genehmigte ich mir dann ein Tenpura mit der obligaten Misosuppe und mochiron, den weltberühmten Kagoshima-Nudeln.
Am Sonntag war das Wetter nicht allzu übel mit leichtem Regen. Gut hatte ich am Freitag noch die Vorschau gekuckt und die Sakurajima-Tour am Samstag gemacht. Kurz nach neun verliess ich das Hotel, ass in einem Café was und lernte noch ein bisschen. Dann lief ich Richtung Hafen, zuerst zum Einkaufszentrum “Dolphin-Port”, bei dem viele kleine Marktstände waren und ich verschiedenste Dinge probierte. Von getrocknetem Fisch über Tofu bis zu Kuchen und Zwiebeltee. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.
Dann besuchte ich das Aquarium und verbrachte rund zwei Stunden mit Beobachten von Fischen, Rochen, Seeotter, einer Delphinschau usw. Als ich die vielen Namen so las, stellte ich fest, dass ich nur die Namen der Tiere wusste, die ich vom Sushi oder Sashimi her kenne. Jedoch habe ich einen Namen behalten: Tobihaze. Das heisst auf Deutsch: Schlammspringer. Man weiss ja nie, wann man’s braucht.
Als ich das Aquarium verliess, regnete es ziemlich. Die nächsten vier Stunden lief ich zu einer bekannten Brücke, mehreren Tempeln, Friedhöfen und Statuen.
Gegen Abend kam ich am Bahnhof an und hatte noch rund eine Stunde, bevor der Zug abfuhr. Also hinein ins Café und etwas Trocknen. Die Züge waren gut geheizt, sodass die Jacke und Hose schon recht gut getrocknet hatten bis wir in Hakata-Eki ankamen. Im Bahnhof ass ich dann noch zu Abend und lief nach Hause zurück. Nachdem ich der Gastfamilie von Ausflug berichtete, konnte ich die Wäsche waschen, duschen und zog mich ins Zimmer zurück. Ich war erstaunlicherweise nicht allzu müde und schaute noch eine Stunde höchstintelligentes, japanisches Fernsehen.
Fuer Marc's Freunde: Mein Vater hat mit ihm 11 Uhr Schweizer Zeit telefoniert und er wusste nichts von der Katastrophe. Er sagt, er gehe an einen sicheren Ort. Er ist in Fukuoka. Seither haben wir nichts mehr gehoert. Fukuoka scheint okay zu sein. http://thesenseitions.blogspot.com/2011/03/earthquaketsunami-not-fukuoka.html?showComment=1299844152981#c1706660663346013892
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