Sonntag, 27. Februar 2011

Auf dem Weg

Teil 1: Frankfurt, die Sonne brennt, die Frisur auch...
Vor eiern guten Stunde bin ich hier angekommen, die Musik von der Cafeteria dröhnt mir ins Ohr. Habe soeben was Keines gegessen und warte nun bis es weitergeht.

Heute Morgen hat mich meine Mutter am Flughafen verabschiedet nachdem wir noch einen Kaffee getrunken hatten.

Dies war nun die letzte Woche in Gümligen, der Abschied fiel nicht ganz o leicht, hatte es mir doch gut dort gefallen. Am Freitag dann die letzten Vorbereitungen wie die noch reingeschneite Steuerrrechnung und das zu Packende zusammenstellen. Am Morgen jedoch war ich noch kurz im Geschäft, um die Zeiterfassung abzuschließen und den Notebook sowie den Schlüssel zu deponieren. Auf dem Heimweg dann noch kurz die Hemden aus der Reinigung holen und im Coop was zu Essen einkaufen. Gegen den späten Nachmittag fuhr ich nach Chur, besuchte kurz meine Mutter und anschliessend gingen Marcel, Jessi und Wiali ins Restaurant, wo wir im kleinen Kreis Marcel’ Geburtstag feierten. Marcel erzählte uns von seinem Abenteuer in Ecuador. Am späteren Abend fuhr ich dann wieder nach Hause und stellte den Audi in Ruhezustand, soll heissen: Batterie abhänge und Nummern weg. Bis Mitternacht habe ich dann noch gepackt und festgestellt, dass der Rucksack etwas schwer ist. Darum kümmere ich mich dann in Japan.

Als ich so schreibe, sehe ich zufällig mal raus und denke mir so: Der Vogel nebenan ist ja ganz schön gross. Auf den zweiten Blick erkenne ich erst, dass es ein A380 auf dem Flug nach Tokyo mit Namen Tokyo ist.


Teil 2: Es ist Sonntag Mittag, sitze in einem Café im Bahnhof von Shin Osaka und habe die Abfahrtstafeln vom Shinkansen voll im Überblick. Schräg hinter mir steht eine junge Dame, die die Personen, die das Café betreten an den Ausschankschalter hin zeigt. Da kommt mir wieder die Baustelle einer Fassadenrenovation in den Sinn. Item, das gehört einfach zu Japan.

In rund einer Stunde werde ich den Shinkansen besteigen, besser gesagt einen Nozomi, seines Zeichens der schnellste seiner Art: Die ca. 550km von Shin-Osaka bis Hakata macht er in gut zweieinhalb Stunden.

Gestern stieg ich dann in den Flieger, hatte meine gewünschten Gang-Platz und ohne Verzögerung hoben wir ab. Es folgte elf Stunden von “Boring, boing, boing”. Habe ein paar Sitcoms und den Film RED geschaut, dazwischen gab es Abendessen. Anschliessend folgte eine äußerst kurze Nacht, gefolgt von einem außergewöhnlich gewöhnlichem Frühstück. Müde, pünktlich und im Sonnenschein trafen wir in Osaka Kansai ein. Die Einreise- und Zollformularitäten gingen einfach von der Hand, wenn auch mit ziemlich gebrochenem Japanisch. Den Bancomaten hatte ich schnell gefunden und mit ein paar einheimischen Scheinen in der Tasche fühlt man sich schon gleich besser. Das Kapitel mit dem Nichtsoganzverstehen folgte danach am Bahnschalter, als ich die Tickets nach Hakata kaufen wollte. Der Schalterbeamte konnte nicht so ganz nachvollziehen, dass ich es nicht eilig hatte und nicht den unmittelbaren Anschlusszug benötigte. Nach etwa 45 Minuten Fahrt kam ich in Shin-Osaka an und gönnte mir in einer zuerst einmal eine 500 Yen- also eine 6-Franken-Udon-Nudelsuppe mit einem Stück geräuchertem Fisch drin. Damit wäre der erste Hunger gestillt.

Der geneigte Leser mag sich fragen, ob ich mir das Schreiben des Logbuches auf meinem altgedienten Hobbytouchscreen-Mobile antue. Sicher nicht! Ich habe vor ein paar Monaten ein Netbook gekauft, um einerseits ein leichtes Eingabe- und Anzeigegerät herumzutragen und andererseits um abzuschätzen, ob das was taugt. Ja und nein. Ja, es taugt zum Schreiben  und nein, es reicht kaum für was anderes. Kein Wunder gehen die Verkaufzahlen zurück. Es würde mich auch nicht wundern, wenn diese Gerät sein unsägliches Ende an einer Laterne findet. Doch dieses Kapitelchen hat nicht direkt mit der Reise zu tun.

Mir fällt gerade auf, dass -während mir der Sitznachbar unvermittelterweise und ohne schlechtes Gewissen seinen Zigarettenrauch vor der Nase vorbeiziehen lässt- das Rauchen in den Lokalitäten noch gang und gäbe ist. 

Teil 3: Bei der Gastfamilie angekommen, zum Zweiten… irgendwie
Inzwischen bin ich in meinem Zimmer angekommen. Dass das einfach ist, steht auf einem anderen Blatt. Die  reise mit dem Shinkansen war von akuten Müdigkeitsanfällen abgesehen wieder mal ein Erlebnis. Da kann der Zug Züri-Bern einpacken. Habe viel Gegend schnell gesehen und kam pünktlich in Hakata um 16:45 an. Noch auf dem Bahnhof rief ich die Gastfamilie an, resp. die Nummer die darauf stand. Nach ewigem Läuten nahm dann doch jemand ab und fragte mich was ich in eine Kirche wolle. ??? Naja, wohl die Telefonnummer falsch abgeschrieben. Wie erwarte war das dann nicht der Fall und ich rief bei der mobilen Nummer an, wogleich prompt erst recht keiner abnahm.????? Ich hatte ja die Adresse und die schon mal vorsorglich in der Schweiz ausgedruckt. Also lief ich dorthin um festzustellen, dass in dem Haus tatsächlich eine Kirche war Ich kürze jetzt ab. Der Hausherr war ziemlich verblüfft mich zu sehen, konnte jedoch gegen die “Reservierung” erstmals auch nix sagen. Die Leute baten mich herein, luden mich zum Nachtessen ein. Da an sich das Nachtessen beim Homestay nicht dabei ist, habe ich ja auf dem Weg zu Abend gegessen… Dann ass ich also zu Abend, nochmals. Hatte ein paar ganz nette Unterhaltungen, in der Zwischenzeit rief der verwirrte Hausherr die Schule an um dies zu klären. Ein halbe Stunde später stand dann ein Mensch von der Sprachschule vor der Tür, er bringe mich nun zu meiner richtigen, auf mich mit dem Abendessenwartenden Gastfamilie vorbei. Nun ja, Han und Kan sind ja fast gleich… Nichtsdestotrotz luden mich die Leute vom Gospelchörli ein, ich solle doch mal vorbeischauen.
Danach kam ich wieder bei der Gastfamilie an, wir habe ein bisschen geredet, die Regeln besprochen, die Wohnung erklärt bekommen und ich konnte endlich mal Duschen. Juhee. Gleich gehe ich ins Bett, morgen beginnt die Sprachschule um halb zehn, ein Wahnsinnsmarsch von fünfzehn Minuten.

Sonntag, 20. Februar 2011

Noch wenige Tage


Sitze im Zug nach Bern, das letzte Mal. Noch ist es knapp eine Woche bevor ich aufbreche. Jetzt wird die verbleibende Zeit in der Schweiz absehbar. Vergangenen Freitag fand bis auf längeres der letzte Jassabend bei Barbara statt. Thömas, Knupp und ich wurden wieder vorzüglich verköstigt. Danke Barbara! Und vielleicht bis in Kanada.

Am Freitag hatte ich noch die letzten Rechnungen per E-Banking ausgeführt, die Steuererklärung ausgefüllt und abgeschickt. Ebenso hatte ich die Abredezusatzversicherung für die unbezahlte Abwesenheit eingezahlt. Nun bin ich wie jede gute Schweizer mehrfach versichert und habe eine halbes Dutzend Telefonnummern von Unternehmen, die sich bei einem Problem um mich kümmern (wollen). Gestern nach dem Ausschlafen kümmerte ich mich noch um das Entsorgen von Glas, PET und Kleinmetall sowie um das Zusammenstellen meiner Reiseunterlagen. Ich habe alles, was ich nicht in elektrischer Form hatte, eingescannt, ausgedruckt und mir per E-Mail zugesandt. Darunter befinden sich auch der Reisepass und die Konto und Kreditkarten, letztere jedoch ohne die letzten vier Zahlen und die Prüfziffer. Sollten die Papiere abhanden kommen, könnte niemand damit etwas anfangen könnte und da ich fast jederzeit auf ein E-Mail Konto zugreifen kann, habe ich die Infos wieder schnell beisammen…. Natürlich ist die Idee gut, sie ist ja auch von mirJ

Das wären die reisetechnischen Vorbereitungen. Letzte Woche war ich noch im Transa und habe mir noch ein paar Kleidungsstücke gegönnt, die ich brauchen werde. Neben einer winddichten Jacke und einer Hose kaufte ich Merino-Unterwäsche für’s Wandern. So warm ist es auch in Japan noch nicht und eventuell in Kanada kann es recht frisch werden. Zusätzlich erwarb ich eine wunderschöne, rote Pellerine damit ich mich gegenüber der Umgebung farblich abgrenzen kann, und natürlich auch gegen den Regen. Den Rest der Klamotten packe ich am nächsten Freitag, kurz vor Abreise. Die Themen passen nicht so ganz zusammen, zuerst Schule und dann Wandern, resp. unterwegs sein widerspricht sich im Stil etwas. Das ist ein Detail, gehe ja nicht auf Brautschau.

Samstag, 12. Februar 2011

Die Vorgeschichte

Heute ist so der erste richtige Tag, an dem ich mir Zeit nehme und die letzten paar Monate zu beschreiben. Noch sind es -auf den Tag genau- zwei Wochen bis ich ins Flugzeg steige. Ich kann heute nicht mehr so genau sagen, wann ich beschloss wieder einmal länger in die Ferien zu fahren, besser gesagt wieder einmal auf Reisen zu gehen. Ich glaube es war inrgendwann im letzten Frühling: Ihch war mit dem Auto zu einem Kunden unterwegs, und um pünktlich zu sein, fuhr ich frühzeitig los, sodass ich vielleicht 20 Minuten vor dem Termin da war. Also wartete ich im Auto und genoss das frühlingshafte Wetter. vielleicht war es damals, vielleicht auch weil ich mit jemandem über Ferienpläne philosophiert habe.

Schnitt. irgendwann im Juni: Ich stelle fest, ich arbeite auf ein Burnout hin. Wie alltäglich dies ist, sehe ich in meiner Umgebung. Und ohne darauf tiefer einzugehen, musste ich etwas unternehmen. Unter anderem fiel mir der Gedanke zu einem jener Warteminuten oder Diskussion wieder ein: Reisen, ich muss wieder mal Reisen.
Erste Frage: "Wie lange?" Zweite Frage "Wann?" Dritte Frage: "Wohin?" Natürlich ergaben sich Folgefragen, die mir alle jedoch nicht so wichtig schienen. Die Beantwortung der ersten Frage ist massgeblich von aussen, als von der Firma beeinflusst, die zweite weniger. Also galt es, dies zuerst zu klären. Aus unternehmerischer Sicht verstehe ich, dass solche Abwesenheiten nicht gewünscht sind, vor allen aus dem zukünfigen Mandat, dass sich noch ergeben sollte. Andererseits hätte das 2010 auch so schlecht weitergehen können, wie das 2009 aufhörte. an dieser Stelle gehe ich nicht weiter auf die Gespräche in der Firma ein, dies soll ja ein Reisebericht und kein Protokoll mit persönlichen Einschätzungen.

Somit war dann im Juli klar, dass es eine auf vier Monate beschränkte Auszeit sein durfte, welche auf meinen Wunsch hin vom März bis Juni 2011 dauerte. Somit war noch die Antwort zur dritten Frage ausstehend. Südamerika? Nein, da der Herbst beginnt. Süd-, Schwarzfrika? Eher nein, reizt mich immer noch nicht so. Europa? Auch nicht? Was als einer der beiden Hauptpunkte klar war, dass ich bei meiner Schwester vorbei will, nach ihren Winterberichten lieber im Sommer. Also würde dies der Abschluss sein. Durch die USA reisen? Könnte man sich vorstellen, jetz mit einem vernünftigen Präsidenten. Apropos, dakommt mir ein Witz in den Sinn, der hier ganz gut passt: Georg W. Bush hat ja ein Buch geschrieben; er hätte besser eines gelesen. Hehehe. Mir gefällt der. Nachdem sich ja herausgestellt hat, dass Teile davon anderswo abgeschreben wurden, hätte er's wohl besser sein lassen.
Ich schweife ab...
Warum nicht Kanada? Da war ich noch nicht und es soll ja ganz schön sein, habe ich mal gehört: "Z'Kanada hets Wauld u Houlz, abr det frisst Di dä Bär..." Gut. Kanada dann. Wie lange. wird sich noch klären. Und wohin geht es am Anfang? Obwohl nicht so dargestellt, war natürlich Japan immer in der näheren Auswahl. Somit war Japan (wieder einmal) gesetzt. Ich machte mir noch ein paar Gedanken, bis ich mir irgendwann im August oder September im Klaren war, dass ich, um das Japanisch aufzufrischen, in eine Sprachschule möchte. Nach kurzer, innerer Diskussion fiel die Entscheidung für Fukuoka. vier Wochen sollten reichen, damit ich wieder auf einem passablen Stand bin. Ich habe die Sprachschule über das Internet gebucht und werde bei einer Gastfamilie sein, die rund 30 Minuten zu Fuss von der Sprachschule entfernt wohnt. Wenn ich dann in der Nähe bin, werde ich noch Ausflüge nach Südkorea und Taiwan machen.

Ich habe bis jetzt noch DEN wesentlichen Teil meiner Reise nicht augeführt. Seit rund zwei Jahren, als ich das erste mal davon hörte, faszinierte mich der Pilgerweg der 88 Tempel auf Shikoku. Dies war -und ist- der zentrale Beweggrund für die Auszeit. Der Weg läuft im Wesentlichen rund um die Insel Shikoku herum und kann in 30-50 Tagen erfahren werden. Wie so oft, ist nicht das Ziel das Ziel, sondern der Weg. Neben den 88 Haupttemplen existieren noch 20 Nebentempel, die ich ebenfalls aufsuchen möchte. Zusammen ergibt dies rund 1400 Kilometer zu Fuss zurückzulegen. Und jeden tag gibrt es japanische Hausmannskost in den Gasthäusern, die an der Strecke liegen. Wie es wirklich aussehen wird, wird sich zeigen. Ich habe inzwischen die Wanderkarten sowie Telefonnummern von den Gasthäusern, damit ich mich ein, zwei tage vorher anmelden kann: "Konnichi wa. Watashi wa Marc desu, yoyaku o shitte itai desu..." (Guten Tag, ich heisse Marc und möchte eine Reservation machen..).

Somit habe ich mein Programm zusammen, welches etwa so aussieht:

26.02.                Abflug nach Osaka, Verschieben nach Fukuoka
28.02.-26.03.    Sprachschule
01.04.-15.05.    Pilgerweg der 88 Tempel
anschl.               Taiwan
02.06.               Flug nach Vancouver
anschl.               Hauruckreise durch Kanade
ca. 20.06.         Ankunft bei Daniela und Family
03.07.               Rückkehr und Ankunft in Zürich

Das Bild veranschaulicht das ganze noch etwas:


Weiter geht es morgen, oder so.